• Seminarkurs Soziales Engagement

Seminarkurs Soziales Engagement

"Wer sich einsetzt, setzt sich aus“

Schülerinnen berichten vom Besuch des Seelsorgers Petrus Ceelen

Vor kurzem hatte der Seminarkurs ,,Soziales Engagement und Weltethos“ die Freude, den menschennahen und höchst erfahrenen Seelsorger Petrus Ceelen zu treffen. Dieser war bereits auf zahlreichen Beerdigungen und sprach mit vielen Aids-Patienten, stark psychisch Kranken und sogar mit Mördern.

Schon zu Beginn wirkte er sehr weise und gutherzig, was man selbst in seinen Augen sehen konnte. Die Schüler/innen waren beim gesamten Vortrag erstaunt von seiner menschlichen Stärke und den Erfahrungen, die Ceelen in seinem Leben gesammelt hatte.

16 Jahre verbrachte er als Gefängnisseelsorger auf dem Hohenasperg, worüber er erklärte: ,,Man kommt zwar schnell hinauf, aber bis man hinabkommt, kann es dauern.“ In dieser Zeit redete er mit Drogenabhängigen, Menschen mit Wahnvorstellungen, Suizidgefährdeten, Mördern und mehr. Er hörte verschiedene Lebensbeichten und lernte somit verschiedene Sichtweisen kennen. Zu seiner Tätigkeit als Gefängnisseelsorger sagt er ebenso: ,,Schaut man sich den Werdegang eines Menschen an, wundert es einen nicht, wie er so wurde.“

Er versuche in jedem den Menschen zu sehen und jedem auf Augenhöhe zu begegnen und betonte, dass wir nicht anders von diesen Menschen seien. Denn, was sie bräuchten sei Anerkennung, so wie wir das auch tun: "Wir leben von Anerkennung mehr als von Brot.“

Doch dadurch, dass er so viele Leidensgeschichten und Beichten von den Menschen hörte und der Schweigepflicht verpflichtet war, sammelte sich dies alles in ihm an und belastete ihn, worüber er berichtete: ,,Ich habe oft mit dem Opfer mitgelitten, oft aber auch mit dem Täter.“ Dies brachte ihn irgendwann dazu, seine unausgesprochenen Gedanken und Gefühle in Form von Büchern zu verschriftlichen. Nichtsdestotrotz genoss er das Vertrauen, das die Menschen ihm gaben. Trotz der Kritik, die er für das Unterstützen von Ausgegrenzten, darunter Aids-Patienten, bekam, gab er nie auf, diesen zu helfen. ,,Wer sich einsetzt, setzt sich aus.“

Der Hintergrund, wie es überhaupt zu seiner Tätigkeit als Seelsorger kam, ist, dass er nicht an Menschen am Rande vorbeigehen könne und dass diese ihn anziehen würden. Schon sein ganzes Leben lang durchzog ihn die Rolle als Tröster. Durch seine Berufswahl ging er gegen die Diskriminierung vor und repräsentierte somit das, was eigentlich hinter der Definition vom Weltethos steckt, der Zusammenhalt und die Toleranz.

,,Es gibt sehr viele Menschen, die hinter unsichtbaren Mauern vergittert sind“ und man könne dies als Außenstehender nicht wahrnehmen.

Wir fragten ihn, wie man Menschen in schwierigen Situationen, in denen man doch nicht die passenden Worte zum Trösten finden kann, helfen könne. Seine Antwort lautete, dass es manchmal besser sei zu schweigen, dass manchmal die nonverbale Kommunikation, insbesondere durch eine Umarmung, doch viel hilfreicher sein könne.

Sein ganzes Leben lang war er sehr einflussreich und war auch durch seine Bücher eine große Unterstützung für viele Menschen. Jetzt blickt er selbst auf ein langes Leben zurück und berichtet auch aus Erfahrungen anderer Menschen, dass in diesen Augenblicken selbst die kleinsten Dinge an großer Bedeutung gewinnen.

Wichtig sei es, auf die Worte, die man zu einem Menschen sagt, zu achten. Denn Worte können einen Menschen ermuntern, sie könneneinem aber auch das Herz brechen. Laut Petrus Ceelen soll man Menschen würdigen, sie anerkennen.

Wir, der Seminarkurs ,,Soziales Engagement und Weltethos“, danken ihm herzlich für seinen Besuch und die ehrlichen und hilfreichen Worte, die er uns mit auf den Weg gab.

Von Zilan und Angi (Jahrgangsstufe 11, Seminarkurs Soziales Engagement und Weltethos)

AUS DER ARBEIT EINER SCHÜLERIN

1.1 Seminarkurs 

„Man muss das Gute tun, damit es in der Welt sei.“

So beschreibt Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach, österreichische Schriftstellerin und Pädagogin (1830-1916), die Art, wie man sich heute sozial engagieren sollte. Und genau dieser Aufruf, Gutes in die Welt zu geben, ist auch der Kern des Seminarkurses „Soziales Engagement“. Prävention, Gesundheitsförderung, Konfliktlösung und Sozialethik sind nur einige Themengebiete, in dessen Rahmen dies stattfinden kann. In diesem Jahr fokussierte sich der Seminarkurs vermehrt auf die Gebiete Toleranz, Suchtprävention, Selbstwert und Weltethos.

Ein Seminarkurs wird an den meisten beruflichen und allgemeinen Gymnasien angeboten und wird auch als eine „besondere Lernleistung“ angesehen.  Diese Lernleistung kann man in ganz unterschiedlichen Themengebieten absolvieren, sodass jeder Schüler seinem individuellen Interesse nachgehen kann. Daher wird am Friedrich-Schiller-Gymnasium zum Beispiel für die Naturwissenschaftler „SIA“ (Schüler-Ingenieurs-Akademie) angeboten, wo sie die Möglichkeit haben, bereits in ihrem Alter mit echten Profis zusammenzuarbeiten und ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen. Auch der Seminarkurs „Film“ bietet leidenschaftlichen Hobbyregisseuren an, ihren eigenen Film zu drehen. Des Weiteren gibt es für historisch Interessierte neuerdings den Seminarkurs „Geschichte Ludwigsburg“.

Mein Interesse wurde, wie schon oben erwähnt, vom Seminarfach „Soziales Engagement“ geweckt, welches sich weitgehend um, wie der Name schon sagt, soziale Projekte an unserer Schule kümmert.

So unterschiedlich diese Fächer sind, kann man sie auch ganz nach seinem eigenen Wunsch werten lassen. Zum einen steht den Schülern die Möglichkeit offen, den Seminarkurs anstelle des mündlichen Abiturs, also der Präsentationsprüfung in der Kursstufe 2 berechnen zu lassen. Somit würde er vierfach gewertet in die Gesamtnote der Abiturprüfung zählen. Zum anderen kann man den Wunsch äußern, dass die Note des Seminarkurses in Block 1 der Kursstufe 1 doppelt zählt, da er sich ja über zwei Halbjahre hinweg zieht. 

Diese individuelle Wertung wird dem Schüler nach dem Verkünden der Noten freigestellt, es ist also auch möglich, den Seminarkurs bei genug Wochenstunden auch gar nicht mit in die Endwertung der Oberstufe einzuberechnen.

Der große Vorteil des Seminarkurses ist die zielgerichtete Vorbereitung der Schüler für Universitäten oder Hochschulen. Sie arbeiten in Teams und stellen ein eigen organisiertes Projekt auf die Beine. Dabei werden nicht nur Kompetenzen wie Teamfähigkeit, soziale Kommunikation oder Projektmanagement, sondern auch Aspekte wie individuelles Lernen und Eigenverantwortung gestärkt.

Die Endpräsentation über dieses Projekt und zusätzlich auch die schriftliche Ausarbeitung, sind den Aufgaben während eines Studiums oder einer Ausbildung sehr ähnlich und somit können sich die Schüler, welche einen Seminarkurs belegt haben, mit den benötigten Kompetenzen dieser Herausforderung stellen und sind sehr gut darauf vorbereitet.

Jeder Seminarkurs ist anders aufgebaut, in meinem Fall (Soziales Engagement) durften wir uns selbst ein Projekt überlegen, welches einer der Themengebiete wie Suchtprävention, Diversität, Toleranz, Weltethos, Gesundheitsförderung und weiteren Aspekten die sich vor allem auf die Fächer Ethik und Psychologie beziehen, behandeln sollte. Wir trafen uns immer dienstags in der 9.-11. Stunde.

Im ersten Halbjahr gab es theoretische und praktische Maßnahmen zu den vielen der oben beschriebenen Bereiche. Zusätzlich zu den Vorträgen von Frau Meyer und Herr Pantoudis, kamen immer wieder Experten oder Betroffene zu Besuch und berichteten eindrücklich von ihren Erfahrungen und ihrem Wissen. Daraus ergab sich die erste Phase des Seminarkurses, die zweite Phase umfasste das Zusammensetzten in den einzelnen Gruppen und die erste Planung des eigenen Projekts.

Wir kehrten immer mal wieder ins Plenum zurück, besprachen den aktuellen Stand unserer Projekte und konnten somit auch Schwierigkeiten mit der Hilfe von Frau Meyer und Herr Pantoudis oder unseren Mitschülern klären.

Die dritte Phase umfasste weitgehend freies Arbeiten. Es stand uns die Möglichkeit offen, immer mal wieder auf Frau Meyer und Herr Pantoudis zuzugehen um uns von ihnen professionelle Ratschläge zu holen. Sie ermöglichten uns außerdem, an interessanten Fortbildungen und Workshops teilzunehmen, welche uns in unserer Projektplanung weiterhalfen.

Zum Halbjahr hin sollten die Schüler eine kleine Zwischenpräsentation vorbereiten, verbunden mit einem individuellen Motivationsschreiben und einer gruppenorientierten Projektskizze.

Genau daraus und zusätzlich zu der Unterrichtsnote ergibt sich 50% der Endnote des Seminarkurses. Da der Schwerpunkt jedoch auf der tatsächlichen Durchführung der Projekte beruht, wird im Zeugnis des ersten Halbjahres der Kursstufe 1 noch keine Note notiert. Die weiteren 50% ergeben sich zum einen aus der Endpräsentation, zu welcher Eltern, Lehrer*innen und Mitschüler*innen herzlich eingeladen sind, zum anderen aus der schriftlichen Facharbeit beziehungsweise der genauen Dokumentation.

Daraus ergibt sich die schlussendliche Gesamtwertung des Seminarkurses.
 

1.2 Soziales Engagement und Prävention

Gutes in die Welt geben - dieser Gedanke weckte schon sehr früh mein Interesse und meine Begeisterung. Verschiedene soziale Aktivitäten, wie zum Beispiel die Leitung einiger kirchlicher Kindertage oder die Ausbildung zum „Trainee“ in meiner Gemeinde haben mir dabei geholfen, diesen Wunsch, anderen etwas Gutes zu tun, zu verwirklichen. Auch das Friedrich-Schiller-Gymnasium bietet den Schüler*innen eine Vielzahl an Möglichkeiten sich sozial zu engagieren und so das positive Leitbild unserer Schule zu vertreten. So war ich zum Beispiel Patin einer fünften Klasse, Stups-Multiplikatoren, Schulsanitäterin und bin auch seit einem Jahr ein begeistertes Mitglied des Schutzengelteams. All diese Aktivitäten und die erfolgreichen, positiven Ergebnisse und haben mich in meiner Sache bestärkt und mich dazu motiviert den Aufruf, Gutes zu tun auch an andere Schüler*innen weiterzugeben.

Eine gelingende Gemeinschaft lebt davon, dass jeder sich verantwortlich fühlt und sich dementsprechend engagiert. Dies bestärkt der Seminarkurs „Soziales Engagement“ in jeder Hinsicht, da ältere Schüler*innen eigene Projekte auf die Beine stellen und diese innerhalb der Schule durchführen. Viele Lehrer, Eltern und Mitschüler unterstützen diese Idee und auch unsere bereuende Lehrkräfte Frau Meyer und Herr Pantoudis bemühten sich intensiv, dass die Projekte auf größtmöglichen Erfolg stoßen. Die Unterstützung unseres Antrages Weltethos-Schule zu werden, mit der Hilfe mehrerer Gruppen des Seminarkurses, ist nur ein Beispiel von vielen, dass wir mit unseren Projekten wirklich etwas Positives und Gelingendes zum Schulleben beitragen können.

Auch ich habe mich mit der diesjährigen Hauptthematik „Weltethos“ auseinandergesetzt und ein Projekt mit meiner Mitschülerin Pauline Schön dazu geplant. Es handelt sich um eine Weltethos-Flagge, welche vor dem Haupteingang des FSG aufgehängt wird und zeigen soll, dass wir die Werte und Grundideen des Weltethos an unserer Schule vertreten und es uns wichtig ist, diese ebenfalls nach außen hin weiterzugeben.

Ich habe mich ebenfalls einem zweiten, für mich persönlich sehr bedeutsamen Projekt gewidmet. Dieses umfasst Unterrichtseinheiten mit den Mädchen der siebten Klassen zum Thema „Selbstwert“.

Ich sehe in diesem Projekt eine große Chance, den Kindern von Beginn an zu vermitteln, dass jeder von uns einen Wert hat, grundsätzlich den gleichen Wert und dennoch ist jeder von uns auf seine individuelle Art und Weise genau so gut wie er ist und muss sich daher nicht verändern, egal was andere sagen oder in welchem Umfeld sie sich befinden.

Gerade im Alter von 12-13 Jahren befinden sich Mädchen in der Pubertät, in welcher Selbstzweifel beziehungsweise –kritik keine Seltenheit sind.

Da mir dieses Thema sehr am Herzen liegt, auch aufgrund eigener Erfahrungen, habe ich mich dazu entschieden die Unterrichtseinheiten zum Thema „Selbstwert“ als Hauptprojekt zu wählen und die folgende Dokumentation darüber zu verfassen.


Steine bemalen als Zeichen für Vielfalt und Frieden

Mitgewirkt hat der Seminarkurs auch bei dieser Aktion: Den Artikel lesen Sie hier.

 


 

Umgekehrter Adventskalender

Am Freitag, den 11.12.2020, fand das erste gemeinsame Projekt des Seminarkurses des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Ludwigsburg im Schuljahr 2020/21 seinen Höhepunkt:

Das Projekt "Umgekehrter Adventskalender" sollte hilfsbedürftigen Menschen, die auf den Tafelladen angewiesen sind, eine schönere Weihnachtszeit bereiten. Zur Durchführung gehörten eine mehrwöchige Vorbereitung und zahlreiche engagierte Schüler*innen.

Unsere Idee beruhte darauf, dass wir Kisten weihnachtlich dekorierten und diese anschließend mit exakt 24 gespendeten Artikeln – haltbare Lebensmittel, Drogeriewaren, Kosmetika - pro Kiste befüllten. Dafür haben wir in der Schule mit Hilfe von Plakaten geworben. Dank der zahlreichen engagierten Schüler*innen und Lehrer*innen haben wir eine stolze Summe von insgesamt über 60 Kisten spenden können. Die Spende wurde am Freitagnachmittag der Ludwigsburger Tafel überreicht.

Uns hat die Aktion sehr gefallen, da wir Hilfsbedürftigen an Weihnachten eine Freude bereiten konnten und dies für uns Weltethos bedeutet. 

 

AUFBAU DES SEMINARKURSES SOZIALES ENGAGEMENT

Auch wenn die Themen und Projekte sich in jedem Schuljahr nach den Präferenzen der Schüler*innen etwas anders gestalten, bleiben doch die Struktur, der Rahmen und die Themenfelder des Seminarkurses Soziales Engagement vergleichbar.